Möglichkeiten sind allgegenwärtig, in dieser “absolut freien” Gesellschaft ist es schwer geworden echte Möglichkeiten von irationalen Wunschvorstellungen zu trennen. Ich persönlich merke wie mich mehr und mehr Möglichkeiten in meiner freien Entscheidungsfindung blockieren und mir einfache Urteile verkomplizieren.
Mit dem Wechsel in einen anderen Lebensraum hat sich diese Situation nicht gerade verbessert, mit der größe der Stadt wächst auch die Zahl der Gelegenheiten. Wenn man wie ich ein Mensch ist der aufgrund einiger, im Nachhinein betrachtet, falschen Entscheidungen zur übertriebenen Verkopfung neigt, kann es schon mal passieren das man echte Möglichkeiten erst erkennt wenn sie lächelnd an einem vorüber gezogen sind.
In einer Gesellschaft in der prinzipiell alles möglich ist kann wird man schnell gefangener seiner Freiheiten. Denn all zu oft kommt es, wenn man sich auf etwas einlässt, unabdingbar zum Verlust anderer Möglichkeiten. Wenn man sich dessen bewusst wird kann es schnell passieren das man am Ende zwar mit einer Menge Optionen dasteht diese jedoch nicht Wahrnimmt da die Freiheit alles zu tun in jedem Fall erhalten bleiben soll. Dies macht uns zu gefangenen unserer Freiheit, wir werden unzufriedener mit den Resultaten unserer Entscheidungen und hören irgendwann auf es zu versuchen.
Ich habe heute schon morgens in der S-Bahn eine unzahl an Chancen die ich mir ausmahlen kann. Die hübsche Blondine gegenüber, oder doch die süsse Farbige. Ich könnte mich zweifellos schnell verlieben. Es kommt dann durchaus auch mal vor das ich eine dieser Personen anspreche und meist läuft es auch positiv ab. Doch in der Regel habe ich bis zum zweiten Date bereits so viele Eigenschaften an der möglichen Partnerin gefunden, mit denen ich mich einfach nicht abfinden will. Aufgrund der großen Auswahl bin ich überzeugt davon, dass ich es besser treffen kann, durch diese denke wird es schwer sich mit einem Menschen abzufinden.
Glücklicherweise habe ich ohnehin keine Lust auf eine monogame Beziehung und kann gut damit leben wenn diese Frauen irgendwann weiter ziehen und mich zurücklassen. Was aber wenn nun diese eine Person kommt die alles andere in den Schatten stellt? Die unzahl an eventualitäten macht mir etwas angst das ich diese Person glatt übersehe oder nicht sofort erkenne. Zumindest habe ich es in diesem Punkt offenbar noch nicht übertrieben. Schließlich bin ich noch dabei es aktiv zu “versuchen”. Es bleibt jedoch zu befürchten, dass ich irgenwann an einen Punkt komme, an dem es mir Logisch erscheint das Versuchen einzustellen, da das schier unauschöpfliche Potential mir über den Kopf wächst.
Nicht nur in der Partnerwahl trift das Prinzip von der “Gefangenschaft in Freiheit” zu. Egal ob bei der Jobsuche oder den finanziellen Entscheidungen, die wir täglich treffen, ist es zu einem Glückspiel geworden das richtige Los zu ziehen. Wir sind überfordert von all den schönen glänzenden Angeboten. Auch wenn ich ein Mensch bin der sich ziemlich sicher ist was er vom Leben erwartet, der sich im klaren ist was er möchte und worauf er problemlos verzichtet, habe ich so meine Probleme mit der Freiheit und hoffe diese angemessen auszuschöpfen.
